Ortschronik

Geschichtliches und mehr aus Eckardtshausen Eckardtshausen – Gründungsgeschichte

Das 18. Jahrhundert erlebte die zweite fränkische Siedlungsperiode. Die neuen Siedler erhielten auch Orte zugewiesen, die z.T. schon etwas älter waren. Das erkennt man an den Endungen der Dorfnamen -hausen in Verbindung mit einem Personennamen – für Eckardtshausen – Otger. 1306 wurde ein gewisser Odger als Gründer von „Ockershusen“ genannt.

Wie alt der Ort genau ist, kann man nicht sagen, da eine Gründungsurkunde noch nicht gefunden wurde.

Nach mündlicher Überlieferung soll der Ort, ungefähr 15 Kilometer südwestlich von Eisenach gelegen, um 930 erbaut, auf dem „Gebrannten“ gestanden haben und die Kirche auf dem angrenzenden „Kirchberg“ an der Weggabelung Wilhelmsthal – Unkeroda – Eckardtshausen.

Im Jahre 1306 wurde über den Ort berichtet, dass der Landgraf Albrecht dem Eisenacher Katharinenkloster jährlich einen Fuder (808 – 1840 Liter) Wein aus „Ockershusen“ schenkte.

Da im Mittelalter eine Familie Eckardt hier wohnte, kann man davon ausgehen, dass der heutige Name des Ortes von dieser Familie herrührt.

Auf dem Friedhof von Eckardtshausen stand damals nur eine kleine Kapelle – vermutlich der heutige Altarraum der Kirche. Als Eckardtshausen vor Beginn des dreißigjährigen Krieges (1618 – 1648) fast vollständig abgebrannt war, entstand der Ort neu um den alten Friedhof herum. 1614 wurde an den Altarraum ein Kirchenschiff angebaut, das bis 1836 nur durch den Altarraum zu betreten war. Die Gemeinde wollte nun die Kirche von Grund auf neu, sowie ein Pfarrhaus und eine Schule bauen. Um das Geld dafür aufzubringen, wandte man sich an die damaligen Herrscher mit der Bitte, dass ihr Fürst Ernst sie mit etlichen Ackern Rodeland, den Milmesberg genannt, der Gemeinde Eckardtshausen zuordnet. Damit Sie nicht allein im Bauen weiterkommen, sondern dies auch Ihnen und Ihren Kindeskinder zu gute kommen lassen könne. Die geforderte finanzielle Zulage für den geplanten Bau wurde durch den damaligen Schulzen Laurentius Eckenbruchern und den Heilgenmeister Stöffel Ortwien auf Michaelis (11. November) zu Papier gebracht. Die Bitte wurde erhört.

Der Chronist Johann Goebelius trug damals alle diejenigen in das „Erb- und Kirchenbuch“ ein, die auf diesen Beschluss hin Rodeland bekamen. Der Erlös wurde teils unter den Armen verteilt, aber auch für die Kirche verwendet, z.B. für die Kirchenglocken und die Kirchenuhr. In der Kirchenchronik wird erwähnt, dass 1841 eine Glocke zersprang, welche die Jahreszahl 1442 trug. Im ebenfalls 1614 erbauten Turm (belegt durch zweimal in Stein gehauene Jahreszahlen) befanden sich drei kleine Glocken und eine Schlaguhr, die im Jahre 1812 durch den damaligen Uhrmacher Johann Samuel Lautenbach aus Eisenach ganz neu gefertigt wurde. Die Orgel der Kirche wurde 1820 von Matteus Nordheim aus Gehaus geschaffen. Da sie in den letzten Jahren nicht mehr bespielbar war, wurde eine neue kleinere Orgel gekauft. Sie kostete 16700 DM und wurde von Spenden der Einwohner und Zuschüssen der Gemeinde bezahlt. Am heiligen Abend 1994 wurde die neue Orgel eingeweiht.

Nach dem Bau der Kirche wurde das Pfarrhaus gebaut (etwa 1620). Es entstand ein zweistöckiges Gebäude mit vier Stuben, einer Küche – daran ein Waschhaus, drei Kammern und einem gewölbten Keller. Auch eine Scheune und Stallungen kamen hinzu. An das Pfarrhaus wurde zweimal angebaut, so auch ein Mehrzweckraum für Gottesdienste im Winter, Konfirmandenstunde, Christenlehre usw.. Dieser Anbau ist von der Kupfersuhler Straße durch einen Treppenaufgang zu erreichen. Die Scheune wurde 1971 abgerissen. Auf dem Platz wurden später zwei Garagen gebaut.

An den Bau des Pfarrhauses schloss sich der Bau der Schule an. Das Schulhaus, ebenfalls zweistöckig, bestand aus drei Stuben, drei Kammern, einer Küche und gedieltem Dachboden. Auch hier wurden Stallungen gebaut. In der Schulstube befanden sich zwei Tafeln an denen die Kinder saßen, zwei hängende schwarze Schreibtafeln und mehrere Schulbänke. Die Schule am Lindenplatz wurde „die alte Schule“ genannt. 1962/63 wurde eine Lehrerwohnung angebaut.

Als diese Schule nicht mehr ausreichend war, wurde 1890 in der Wilhelmsthaler Straße die sogenannte „Neue Schule“ errichtet. Der Schulbetrieb wurde in der alten Schule 1972 und in der „Neuen Schule“ 1976 eingestellt. Die Kinder gingen nun nach Epichnellen und Förtha zur Schule. Beide Schulen wurden renoviert. In der „Neuen Schule“ befindet sich jetzt im Erdgeschoss der Kindergarten. Im Dachgeschoss hat sich die Eckardtshäuser Trachtengruppe e.V. ihr Domizil geschaffen. Die alte Schule beherbergte vorübergehend den Kindergarten, die Kinderkrippe und das Bürgermeisteramt. Arztsprechstunden wurden hier abgehalten und eine Bank nutzte einen Raum für Schalterstunden. Seit 2002 nutzt der Schützenverein Eckardtshausen e.V. die obere Etage und der „Gemischte Chor Eckardtshausen e.V.“ das Erdgeschoss.

Vor der alten Schule befindet sich der Lindenplatz, auf dem drei große Linden stehen. Der Name „Unter den Linden“ wurde schon bei der „Beschreibung des Fünfzigjährigen Regierungsjubelfestes des Großherzogs Karl August im Jahre 1825“ erwähnt. Auch der benachbarte Brauplatz (später Anger) wurde bereits 1817 bei dem 3. Reformationsjubiläum genannt. Zum Regierungsjubelfest 1825 versuchte sich die Gemeinde ein bleibendes Denkmal zu setzen, indem sie beschloss, die Wege im Ort zu verbessern und in der Wilhelmsthaler Straße eine Baumschule anzulegen. Auf diesem Grundstück wurde 1890 das zweite Schulgebäude errichtet.

Das Bauerndorf Eckardtshausen war arm. Es gab seit 1686 zwei Kupferbergwerke, die bis 1864 in Betrieb waren. Ende des 17. Jahrhunderts arbeiteten im Dorf einige Schneider und zwei Schuster. Es wurde ein kleines Sägewerk und eine Tischlerei betrieben, und es gab einen Laden und eine Poststelle. Andere dauerhafte industrielle Entwicklungen waren hier nicht zu verzeichnen.

Reichtum gab es nur in Wilhelmshusen, wo Herzog Johann Wilhelm von 1699 – 1703 ein großes Schloss erbauen, einen Park anlegen und einen künstlichen See stauen ließ. Der Herzog nutzte die reizvolle Gegend als Sommerresidenz. Zu dieser Zeit änderte sich auch der Name Wilhelmshusen zu Wilhelmsthal. In der Zeit von 1716 -1725 fanden Uraufführungen zahlreicher Serenaden Georg Philipp Telemanns statt. 1777 und in der Folgezeit bis 1801 weilte auch Johann Wolfgang von Goethe in Begleitung des jungen Großherzogs Carl August in Wilhelmsthal.

Zu Beginn des 20. Jahrhunderts blieb Eckardtshausen von den Kriegsereignissen nicht unberührt. Für die 29 im 1. Weltkriege Gefallenen wurde 1921 ein Denkmal geschaffen, in das ihre Namen eingemeißelt wurden. Dieses Denkmal stand erst vor der Kirche, erhielt aber 1938 seinen neuen Standort auf dem Geißrain. Um den Gedenkstein wurde eine kleine Parkanlage errichtet, auf der dann für die Gefallenen des 2. Weltkrieges Holzkreuze aufgestellt wurden. Nachdem das „Kriegerdenkmal“ über viele Jahre verwahrlost war, wurde es im Rahmen von ABS-Maßnahmen wieder gepflegt. In der Kirche wurde eine Gedenktafel mit den Namen der Gefallenen des 2. Weltkrieges angebracht.

Eckardtshausen liegt wunderschön im Thüringer Wald. Wer sich beim Spazieren gehen oder Wandern erholen will, darf die Grünfelder Teiche und den Milmesberg nicht auslassen. Die Teiche werden von den Mitgliedern des Sportfischerei-Vereins e.V. in Stand gehalten und gepflegt. Vom 465 m hohen Milmesberg aus hat man eine ausgezeichnete Sicht zur Wartburg, zum Inselsberg, in die Rhön und nach Hessen.

Diese günstige Lage in Grenznähe wussten auch die Sowjets zu schätzen und errichteten 1967 eine Radarstation auf dem Berg. Von dieser Zeit an war die Rote Armee nicht mehr wegzudenken. Erst nach der Wiedervereinigung der beiden deutschen Staaten im Jahr 1990 verließen die sowjetischen Truppen den Milmesberg. Am 16.6.1991 fuhr das letzte Armeefahrzeug aus dem Dorf.

Neben dem Gelände der Radarstation errichtete die Telekom einen D1-Funkturm, der das Aussehen des Berges prägt.

In unmittelbarer Nähe dieses Turmes befindet sich die „Salzunger Botenfrau“, eine uralte Buche. Nach Überlieferung führte dort der Fußweg von Bad Salzungen nach Eisenach vorbei. Unter diesem Baum soll der Rastplatz der Botengängerin gewesen sein. 1989 wurde der Baum Opfer eines Sturmes, sodass nur noch ein hohler abgestorbener Stamm zu sehen ist. Am 9. November 1990 wurde aus Anlass des 1. Jahrestages der Grenzöffnung von der Trachtengruppe e.V. eine Buche direkt neben der alten „Botenfrau“ gepflanzt.

Ein großer Fortschritt im Leben der Eckardtshäuser war der Bau der Hochdruckwasserleitung um 1901, sowie die Schaffung eines Stromnetzes für die Versorgung mit Elektroenergie 1920 – 1922.

Wichtig in der neueren Geschichte des Dorfes ist natürlich die Entwicklung der Landwirtschaft. Nachdem infolge der Bodenreform nach dem 2. Weltkrieg viele Bauern kleine Flächen privat bewirtschafteten, wurde im Jahr 1958 die LPG gegründet. Dies ermöglichte eine flächige kollektive Bewirtschaftung der Felder um das Dorf herum. Anfang der 70er Jahre errichtete die LPG eine große Stallanlage für 600 Kühe. Nach der Wiedervereinigung musste sich die LPG auf marktwirtschaftliche Verhältnisse umstellen, was der Landwirtschaftsgenossenschaft e.V. auch gelang.

Der vom Sportverein SV 49 Eckardtshausen e.V. genutzte Sportplatz wurde um 1960 – 1962 im Nationalen Aufbauwerk gebaut und 2002 im Rahmen der Dorferneuerung saniert. 2006 wurde ein Bolzplatz gebaut, um auch den Kinder- und Jugendmannschaften bessere Trainingsbedingungen zu schaffen.

Anfang der siebziger Jahre bauten sich die Eckardtshäuser im Nationalen Aufbauwerk das Kulturhaus. Einweihung war am 7. Oktober 1976. Für die Freiwillige Feuerwehr wurde 1998 ein Anbau am Kulturhaus als Gerätehaus eingeweiht. Das alte Feuerwehrhaus wurde saniert und ist beim Kleintierzuchtverein e.V. in besten Händen.

Zum jetzigen Zeitpunkt ist der neu gegründete Eckardtshäuser Kirmesverein e.V. der Mieter des gastronomischen Bereiches des Kulturhauses. Bei diesem Verein können ganzjährig Räumlichkeiten für kleine und große Feiern gemietet werden.

Die Gaststätten „Zum Hirsch“ und „Zum Stern“ laden schon seit Generationen zum Verweilen ein. Nach der Wende sind der Imbiss Wilhelmsthal und die Pension Leonhardt eröffnet worden. Im Dorf betreiben Elektromeister Bernd Höft, Klempnermeister Hans Schreck, Tischlermeister Mario Töpfer, Fuhrunternehmer Trapp und die Werbeagentur Macholdt ihr Gewerbe und nicht zu vergessen das Lebensmittelgeschäft „Rosis Einkaufseck“.

Eckardtshausen hat zusammen mit Wilhelmsthal 535 Einwohner, von denen einige im neu erbauten Wohnpark in der Feldstraße wohnen.

Seit dem 1. Januar 1996 gehört Eckardtshausen als Ortsteil zur Gemeinde Marksuhl.

Zusammengetragen von Anneliese Reißig aus Eckardtshausen.

Quellen: Eisenacher Schriften zur Heimatkunde, Heft 18 von Felix Humberg S. 100 Eisenacher Schriften zur Heimatkunde, Heft 29 von Felix Humberg, S.341 Eisenacher Schriften zur Heimatkunde, Heft 5 von Dr. Gerd Bergmann, S. 6,7 EP-Heimatblätter, Report 2, S.28 MA / Bei uns im Kreis Eisenach – Eckardtshausen Private Sitzungsprotokolle

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