Ecki aus Eckardtshausen: Der Streuner narrt seine Häscher

Auch die Häscher am Montag mussten am späten Nachmittag verzweifelt die Flinte ins Korn werfen. Der Hundefänger-Schar gelang es wieder nicht, den freiheitsliebenden Ecki aus Eckardtshausen im Wartburgkreis hinter Schloss und Riegel zu bringen.

Foto: Sascha Willms

Ecki ist nicht zu fassen: Der Labrador-Mischling, der seit mehr als zwei Jahren rund um Eckardtshausen auf freier Wildbahn lebt, soll nach Beschwerden jetzt ein neues Zuhause bekommen. Am Montag schaffte das angerückte Team aber nicht, ihn zu betäuben. Foto: Sascha Willms

Wartburgkreis. Der Labrador-Golden-Retriever-Mischling machte seit den frühen Morgenstunden immer wieder einen großen Bogen um den Besitzer eines Betäubungsgewehres – um den Thüringer Radiomoderator Adi Rückewold – und natürlich um Sandra Senf, die sich seit vielen Jahren um das Wohl von Ecki liebevoll bemüht. Auch eine Nachbarshündin konnte den cleveren Kläffer nicht mit ihren Reizen bezirzen. „Das ist ein ganz Schlauer, der lässt sich nicht einfangen – das ist jedes Mal so“, erzählt Gunda Manß aus Eckardtshausen, die die erfolglose Jagd zum Teil von ihrem Fenster aus verfolgen konnte. Sie hat zwar Verständnis für das Einfangen des Vierbeiners, aber: „Der tut niemanden etwas.“ Oft liegt Ecki nicht weit von ihrem Fenster an einer Böschung und macht ein Nickerchen. Wenn sie ihn ruft, spitzt er die Ohren und legt sich beruhigt wieder hin. „Er kennt meine Stimme inzwischen ganz genau“, sagt sie. Die Hundehütte, die eine ortsansässige Tischlerei extra für den Bello mit dem überaus großen Freiheitsdrang anfertigte, nutzte der Vierbeiner auch bei den klirrendsten Temperaturen des vergangenen Winters so gut wie nicht. „Er ist sehr misstrauisch, er braucht in alle Himmelsrichtungen immer freie Sicht“, erzählt Sandra Senf, die erst vor wenigen Tagen für ihr tägliches Engagement um Ecki mit dem Thüringer Tierschutzpreis 2013 ausgezeichnet wurde.

Sandra Senf aus Eckardtshausen hat sich um den freilaufenden, scheuen Labrador-Mischling Ecki seit zwei Jahren bemüht und bekam dafür den Thüringer Tierschutzpreis 2013. Foto: Peter Michaelis
Sandra Senf aus Eckardtshausen hat sich um den freilaufenden, scheuen Labrador-Mischling Ecki seit zwei Jahren bemüht und bekam dafür den Thüringer Tierschutzpreis 2013.
Foto: Peter Michaelis

Zur Hundejagd, die vom Morgengrauen bis fast zum Einbruch der Dämmerung dauerte, ließ der „Schlaufuchs“ im goldenen Fell seine insgesamt zehn „Widersacher“ nicht näher als 50 Meter an sich herkommen. Der Plan war, den Hund an einer neuen Futterstelle zu erwischen, an die ihn Sandra Senf in den vergangenen Wochen gewöhnt hat.

Sandra Senf: „Er hat Lunte gerochen“

Gleich daneben steht eine Holzhütte, darin wartete Frank Weißkirchen mit dem Betäubungsgewehr. Der professionelle Hundefänger kam eigens aus dem Westerwald. Mit ihm versteckten sich Kamera- und Tonmann in der Hütte. Weitere Minikameras waren drum herum versteckt montiert. „Er hat Lunte gerochen und sich über den ganzen Tag immer Fluchtmöglichkeiten offen gelassen“, erzählt Sandra Senf nach missglückter Jagd. Zu dem sei es für einen sicheren Pfeiltreffer viel zu windig gewesen. Die abgeschossenen Betäubungspfeile verfehlten jedes Mal ihr Ziel. Enttäuschung macht sich bei den Tierschützern breit, die Ecki ein neues Zuhause in Niederzimmern (Weimarer Land) besorgt hatten. Dort leben weitere Hunde, die den Hund schon kennen, erklärte Franziska Herre, Rütters Hundetrainerin in Thüringen. Obwohl Marksuhls Bürgermeister Martin Trostmann (parteilos) gern gesehen hätte, dass Ecki endlich von einem verantwortlichen Herrchen an der Leine geführt wird, war klar, dass die Hundepirsch wieder misslingen musste: „Es waren viel zu viel Leute unterwegs.“ Er selbst habe keine Abschussgenehmigung erteilt, aber Handlungsbedarf bestehe im „Fall Ecki“ auf jeden Fall, da sich in den zurückliegenden Wochen die Beschwerden von Anwohnern in der Gemeindeverwaltung wieder vermehrt haben sollen. „Es gibt noch eine Schonfrist, der Abschuss ist ausgesetzt“, weiß Sandra Senf. Der nächste Termin für eine neuerliche Gefangennahme stehe bereits fest, um bei Bello Herr der Lage zu werden. Dies soll noch im November still und heimlich über die Bühne in Eckhardtshausen gehen. Dann heißt es nur für die Hundefreundin Sandra Senf und dem Experten am Betäubungsgewehr „Waidmannsheil“. Inzwischen seit gut drei Jahren führt Ecki seine Häscher an der Schnauze herum. Ecki ist mehr als drei Jahre alt und hinter dem Stall eines Eisenacher Schäfers geboren worden.

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