Freiheitsliebender Labrador lief 600 Kilometer nach Eckardtshausen

Könnte der freiheitsliebende Labrador-Golden-Retriever-Mischling „Ecki“ aus Eckardtshausen mit seinen Pfoten in die Tatzenstapfen des umherstreunenden Braunbären „Bruno“ gelaufen sein? „Bruno“ war im Sommer 2006 gleich mehrfach der illegale Grenzübertritt von Österreich nach Deutschland gelungen.

Foto: Norman Meißner

Herbert Lesiak aus Kärnten und Sandra Senf aus Eckardtshausener vergleichen Fotos von „Ecki“ aus dem Thüringer Wald und „Sven“ aus den Alpen. Foto: Norman Meißner

Herbert Lesiak aus dem niederösterreichischen Wolfsbach beim Amstetten ist sich sicher, zumindest mit „an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit“, sagt der Hundefreund. Vorgestern erhielt der aktive Tierschützer aus dem Alpenland einen Hinweis über den freiheitsliebenden Wauwau aus Thüringen. Er ließ sich sofort per E-Mail Bilder schicken und verglich stundenlang mit seinen eigenen Aufnahmen. Die Ähnlichkeit zu seinem Hund „Sven“ war für ihn verblüffend. Wenig später setzte er sich ins Auto und fuhr nach Eckardtshausen. „Mir war klar, dass der Hund nach so langer Zeit nicht gleich ins Auto springt und ich ihn mitnehmen kann“, fährt der Hundefreund fort, der zur Zeit Herrchen von zwei Vierbeiner ist.

600 Kilometer auf vier Pfoten?

Sein verschollener Liebling „Sven“, den er nur acht Monate hatte, wurde am 29. Mai 2010 um 18.20 Uhr am Sportplatz seines Heimatortes das letzte Mal gesichtet. Seit April 2011 sind die Wiesen und Felder um Eckardtshausen „Eckis“ Zuhause. Lesiak ist sich sicher, dass der Hund die rund 600 Kilometer bewältigt hat. „Der Hund kann bis zu 70 Kilometer am Tag problemlos zurücklegen“, führte der Oberst des Intendanzdienstes in St. Pölten vom Österreichischen Bundesheer an. Neben den Merkmalen von Kopf, Rumpf und der Farbe der Schwanzspitze sind es gerade Verhalten und Eigenschaften des Hundes, die Lesiak jetzt die „Witterung“ aufnehmen ließ. „Mein Sven ist überaus freiheitsliebend, intelligent, scheu und bettelt gern bei Kindern nach Essbarem“, sagt er in Kärtner Dialekt. Das Halsband seines „Sven“ konnte er jedoch auch auf den besten Bildern von „Ecki“ nicht zweifelsfrei identifizieren.

„Ecki“ spitzte bei „Sven“ die Ohren

Völlig überraschend ist für die Eckardtshäuserin Sandra Senf, die sich um das leibliche Wohl von „Ecki“ redlich verdient machte, dass der Bello auf Lesikas Anruf „Sven“ die Ohren spitzte und sein Haupt in Richtung des Rufers wandte. „Das macht er sonst bei Fremden nicht“, sagt sie. Viermal wurde vergeblich mit dem Betäubungsgewehr versucht, den Bello „Ecki“ vorübergehend in den Schlaf zu schicken. Nur einmal konnte er getroffen werden. Er war aber so kräftig, dass er sich noch vor seinen Widersachern verstecken konnte. Die Gemeinde Marksuhl hat „Ecki“ mit einer Haftpflichtversicherung versorgt. In der nächsten Woche will die Tischlerei Mario Töpfer einen trockenen Unterstand aufstellen. Den Heimweg trat der österreichische Hundefreund gestern aber ohne den Thüringer Hund an: „Zumindest ist es schön zu wissen, dass er hier gut versorgt wird.“

Norman Meißner / 13.10.12 / TLZ

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