Streuner Ecki aus Eckardtshausen ist verschwunden – wurde er erschossen?

Eckardtshausen (Wartburgkreis). Thüringens berühmter Labrador-Mischling Ecki taucht nicht mehr in Eckardtshausen auf. Von zwei Schüssen in der Freitagnacht ist die Rede.

Foto: Sascha Willms

So gehörte der Hund schon fast zum Ortsbild in Eckardtshausen und hat den kleinen Ort bundesweit bekannt gemacht. Nun wird er gesucht. Foto: Sascha Willms

Mehrmals schaffte der Hund Ecki es sogar ins Fernsehen, denn der freiheitsliebende Labrador-Mischling ließ sich einfach nicht einfangen. Rund drei Jahre streunte er durch Wald und Flur rund um Eckardtshausen – ohne einen Zwischenfall, wie Sandra Senf betont. Täglich fütterte sie ihn, doch seit Freitag wartet sie vergebens. Für Sandra Senf erhärtet sich ein schrecklicher Verdacht: In der Nacht zum Samstag, kurz nach 24 Uhr, waren nahe des Dorfes zwei Schüsse zu hören. Eine ungewöhnliche Zeit war das und eine Richtung, aus der noch nie Schüsse gekommen seien, sagt Senf. Hinter ihrem Haus kam der Streuner fast täglich über die Felder zum Fressen hierher. „Länger als zwei Tage ist er noch nie weggeblieben.“ Gerd Fischer vom Eisenacher Tierschutzverein bittet um Hinweise aus der Bevölkerung, falls Ecki irgendwo auftauchen sollte. Mehrmals wollten die Tierschützer den Hund einfangen. In Niederzimmern (Weimarer Land) sollte er ein neues Zuhause bekommen. Doch Ecki roch den Braten jedes Mal. Fünfmal lauerte ihm zuletzt eine Tierärztin mit einem Betäubungsgewehr auf – ohne Erfolg. Nun habe es einen neuen Plan gegeben, so Fischer. Anfang März sollte der Hund endgültig eingefangen werden. „Wir haben das Futter besorgt und Versicherungen für den Hund abgeschlossen“, erklärt der Vorsitzende des Eisenacher Tierschutzvereins. Sollte sich herausstellen, dass Ecki erschossen wurde, wollen die Tierschützer Strafanzeige erstatten. Nach Paragraf 17 (Töten eines Wirbeltiers ohne vernünftigen Grund) kann das eine mehrjährige Haftstrafe zur Folge haben.

Niemand weiß von einer nächtlichen Jagd

Mit den Jägern im Ort hat Sandra Senf gesprochen. Sie stehen auf ihrer Seite und wissen nichts von einer nächtlichen Jagd auf den gerade brachliegenden Feldern. Auch Marksuhls Bürgermeister Martin Trostmann war Montag von der Nachricht überrascht. Es habe in den vergangenen Monaten keine Beschwerden mehr gegeben. „Da haben wir unsere Füße auch stillgehalten“, sagte der Bürgermeister auf Anfrage. Probleme habe es in den vergangenen Jahren mit Ecki ohnehin kaum gegeben, betont Sandra Senf. Hin und wieder bellte er aus der Ferne einen Radfahrer an oder lief die Straße entlang. Doch weder Wild, noch Haus- oder Nutztiere hat Ecki gerissen, wie einige befürchteten. „Er bekam sein Futter ja bei mir.“ Auf dem Grundstück des Nachbarn ruhte er sich tagsüber aus. Zu dessen Hündin Kira fühlte er sich offensichtlich hingezogen. Nachts lief Ecki durch Wald und Flur. So habe er auch die harten Winter mit tiefen Minusgraden überstanden. „Aber er hatte nicht nur Freunde, das war mir von Anfang an klar“, sagt die Eckardtshäuserin. Deshalb wollten ihn die Tierfreunde einfangen. Mit Hilfe des TV-Hundeexperten Martin Rütter wurde Anfang November eigens ein professioneller Hundefänger aus dem Westerwald geholt. Doch auch der hatte keinen Erfolg, dafür aber Ärger danach. Das Landratsamt des Wartburgkreises monierte eine fehlende Genehmigung. Der Behörde war der Wirbel um Ecki einfach zu viel, vermuten die Tierschützer. Sandra Senf brachte ihr Engagement für den Labradormischling 2013 den Thüringer Tierschutzpreis ein. Rückblickend wäre der Preis verzichtbar, wenn sie nur Ecki hätte retten können. Einen Funken Hoffnung hat sie noch. Vielleicht steht er schon heute wieder auf der Wiese hinter ihrem Haus.

Sascha Willms / 11.02.14 / TA

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