Jahrelanger Kampf um Windräder auf dem Milmesberg beendet

Eisenach. Der seit 2005 dauernde Streit um die geplanten, zwei umstrittenen Windkraftwerke auf dem Milmesberg bei Marksuhl und die Sorge um den Status der Wartburg als Weltkulturerbestätte sind endgültig vom Tisch.

Foto: Sascha Willms

Bei Förtha und Marksuhl erzeugt dieses Kraftwerk Strom – ohne die Wartburg zu stören. Die um zig Meter höheren Kraftwerke, die eine Firma auf dem Milmesberg – gegen alle Proteste – bauen wollte, wird es nicht geben. Foto: Sascha Willms

Wie Marksuhls Bürgermeister Martin Trostmann (pl) unserer Zeitung bestätigte, wurde ein außergerichtlicher Vergleich erzielt. Der Investor, die Gewi Planungs- und Vertriebsgesellschaft mbH & Co KG, hat im Zuge dessen den Bauantrag für die einstmals genehmigten Windräder im südlichen Vorland der Wartburg zurückgezogen. „Die Baugenehmigung ist inzwischen erloschen“, so Trostmann. „Das Ergebnis zeigt auch den über 14.000 Menschen, die sich mit ihrer Unterschrift gegen den Bau eingesetzt haben, dass es sich Engagement lohnt.“ Erfreut ist auch der Burghauptmann der Wartburg, Günter Schuchardt. „Ich bin sehr froh und danke neben dem Eisenacher Ehepaar Korndörfer auch dem Gemeinderat und dem Bürgermeister, dass sie so lange durchgehalten haben.“ Schuchardt sorgt sich jedoch über die jüngsten Entwicklungen im Nachbarland Hessen. Dort sollen in der Nähe der Landesgrenze zu Thüringen zwei Vorranggebiete für Windräder neu ausgewiesen werden. Sollte dort gebaut werden, könnte wiederum die Sichtbeziehung von der Wartburg ins Umland beeinträchtigt werden. Gegen die Pläne hat neben der Wartburg-Stiftung das Landesamt für Denkmalpflege Widerspruch beim hessischen Regierungspräsidium in Kassel eingelegt. Gerade der unverbaute Blick wurde 1999 als ein gewichtiges Kriterium von der Unesco genannt, als diese die Burg in die Welterbeliste aufnahm. Wären die Riesenpropeller auf dem Milmesberg, um die in den letzten Jahren vor mehreren Gerichten gestritten wurde, gebaut worden, wäre unwiederbringlich das Landschaftsbild durch die Errichtung zerstört worden. Martin Trostmann will am kommenden Mittwoch mit dem Burghauptmann der Wartburg, seinen Gemeinderäten sowie dem Ehepaar Brigitte und Adolf Korndörfer, die sich seit Anbeginn gegen den Bau und für den Erhalt des Welterbestatus einsetzten, im Burgcafé der Wartburg feiern. Korndörfers hatten mit ihrer Unterschriftensammlung gegen den Bau der Windkraftanlagen für Bewegung bei wichtigen politischen Entscheidungsträgern mit gesorgt.

Firma möchte umsatteln auf einen Solarstrompark

Von Februar bis Mai 2006 hatten die hochbetagten Eheleute in einer beispielhaften Sammlung die über 14″000 Unterschriften gegen den Bau zusammengetragen. „Wir hatten damals kein Gesetz, keinen Paragrafen hinter uns, nur die Unterschriften“, erinnert sich Brigitte Korndörfer. „Aber ich habe auf halbem Weg noch nie aufgegeben“, freut sich die mittlerweile 80-Jährige über die Nachricht. Es sei kein einfacher Weg gewesen, ihr sei sogar mal schlimm gedroht worden, erinnert sie sich. Ihr Dank geht auch den Gemeinderat sowie an Bürgermeister Trostmann und dessen Frau. „Ohne ihre Ruhe und einen langen Atem hätten wir es nicht geschafft“, ist Korndörfer überzeugt. Sie dankt auch vielen Privatleuten, die sie aktiv unterstützt haben. „Endlich kann ich befreit auf die Wartburg gehen, ein beglückendes Gefühl.“ „Für uns ist es ein Kompromiss“, erklärte Gewi-Geschäftsführer Winfried Gerold. Anstelle von Windrädern sollen nun Solaranlagen errichtet werden, so Gerold. Die Gemeinde habe sich bereit erklärt, dafür einen Bebauungsplan zu erstellen. Der erzielte Konsens führte laut Gerold dazu, dass die Firma aus Husum die Windrad-Pläne zurückzog. Das Unternehmen plant deutschlandweit Windparks bis zur Genehmigungs- und Realisierungsreife, um sie nach der Gründung eigenständiger Windpark-Beteiligungsgesellschaften zu betreiben. In Thüringen gibt es laut Geschäftsführer noch weitere geplante Standorte für Windräder. Einer befindet sich im Eisenacher Ortsteil Neukirchen.

Katja Schmidberger / 11.03.14 / TA

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