Fast zehn Jahre dauerte die Sorge um den Welterbestatus der Wartburg

Eisenach. „Widrige Winde“ – so titelte unsere Lokalausgabe im September 2004 zu einem Thema, das die Öffentlichkeit gut zehn Jahre dauerhaft beschäftigt hat. Es ging um zwei Windräder auf dem bis dato nur wenig bekanntem Milmesberg in Eckardtshausen.

Foto: Sascha Willms

Martin Trostmann (Bürgermeister Marksuhl, links) und Burghauptmann Günter Schuchardt bedanken sich am Mittwoch bei Brigitte Korndörfer und ihrem Mann Adolf (nicht im Bild) für ihr unerschütterliches Streiten für den Erhalt des Welterbestatus‘.

Dagegen wandte sich die Gemeinde Marksuhl. Wartburg. Burghauptmann Günter Schuchardt informierte die Unesco, da er durch die Sichtbeeinträchtigung im südlichen Vorland der Wartburg fürchtete, dass die Burg ihren Welterbestatus aberkannt bekommen könnte. Jetzt ist der Fall erledigt, die Pläne zurückgezogen. Eine Chronik der Ereignisse

8. Juli 2004 : Gemeinderat Marksuhl beschließt, dem Bau der Windräder weiter nicht zuzustimmen. Im Dezember 2004 beanstandet die Kommunalaufsicht den Beschluss des Gemeinderats vom Mai 2002, den Bau abzulehnen.

12. Mai 2005: Untere Bauaufsicht des Landkreises erteilt Baugenehmigung an die Gewi.

November 2005 : Im Streit um den geplanten Windpark wartet die Unesco auf die Planungsunterlagen. Das Welterbe-Zentrum in Paris muss prüfen, ob die Windkraftwerke das Ensemble der Wartburg stören.

25. Januar 2006 : Der Bau der Windräder wird vom Meininger Verwaltungsgericht gestoppt.

14. Februar 2006 : Brigitte und Adolf Korndörfer aus Eisenach starten eine private Unterschriften-Aktion gegen den Bau.

14. März 2006 : Der juristische Streit geht in eine weitere Runde. Vertreter der Baufirma haben Beschwerde gegen den verhängten Baustopp eingelegt.

4. Mai 2006 : Brigitte Korndörfer spricht mit Thüringens Bauminister Andreas Trautvetter . Über 14″000 Unterschriften hat das Paar mit Unterstützung vieler gesammelt.

August 2006 : Überraschung am Oberverwaltungsgericht in Weimar: Das erwartete Urteil im Streit um die beiden Windkrafträder in Wartburgnähe fällt aus.

13. März 2010 : Korndörfers schreiben an Ministerpräsidentin Christine Lieberknecht (CDU). Sie schildern erneut ihre Sorge, dass der Bau der Anlagen den Welterbestatus gefährdet.

Ende Juli 2010: Das Verwaltungsgericht Meiningen gestattet den Bau der Kraftwerke.

31. Dezember 2010 : Der Freistaat will Berufung gegen das Urteil einlegen. Das Verwaltungsgericht Meiningen hatte zuvor den Widerspruch des Landes gegen die Baugenehmigung aufgehoben.

27. August 2010: Korndörfers schreiben an Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU).

1 6. Juni 2011: Familie Kondörfer wird für ihr Engagement in der überregionalen Wochenzeitschrift „Die Zeit“ gewürdigt.

30. März 2011 : Brigitte Korndörfer schreibt an das Oberverwaltungsgericht und erinnert an den Beschluss des Verwaltungsgerichts Sigmaringen, die Burg Hohenzollern vor Windrädern zu verschonen.

4. Februar 2011: Kulturstaatsminister Bernd Neumann erklärt öffentlich in Eisenach: wenn die Windräder zum Verlust des Welterbetitels führen, dann wäre das barbarisch.

September 2011: Der Investor beantragt, das laufende Gerichtsverfahren für 14 Monate ruhen zu lassen.

Juli 2013: Gewi kündigt an, sich von den Windrad-Plänen zu verabschieden.

März 2014 : Die Investorenfirma hat den Bauantrag für zwei Anlagen, die den Welterbestatus der Wartburg gefährden könnten, zurückgezogen. Damit endet der jahrelange Streit. Am gestrigen Mittwoch lud Marksuhls Bürgermeister Martin Trostmann (parteilos) zu einer kleinen Feierstunde in das Burgcafé der Wartburg. „Wir haben einen Erfolg erreicht. Der Blick von der Wartburg auf den Milmesberg bleibt unverbaut, und das ist Ihr Verdienst Frau Korndörfer“, sagte er. Die öffentliche Wahrnehmung zu wecken und Bürokraten zu zeigen, dass Bürger mit einer gesunden Einstellung zur Heimat und Rechtsempfinden aufstehen können und ihre Meinung äußern, das war wichtig, so Trostmann. „Ohne Sie hätten wir das nicht geschafft.“ Bis hin zum Ministerium sei seitdem die Einsicht gewachsen, wie technische Bauwerke auf Kulturdenkmale wirken.

Katja Schmidberger / 13.03.14 / TA

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